12 schlimme Fehler, die man bei der Pressearbeit vermeiden sollte

1) Du verwechselst Werbung mit PR

Mir ist schon klar, dass du mit deiner Pressemitteilung den Bekanntheitsgrad deines Produkts steigern willst und vielleicht auch gern die Vorteile in den Vordergrund rückst…vielleicht kannst du ja auch noch euren USP hervorheben. HALT STOP: Das funktioniert nicht! Denk dran, dass der Redakteur eine Story braucht, die seine Leser begeistert. Wenn du in diese Story dein Produkt integrieren kannst ist das super – wichtig ist aber die Story! Alles was 10 Meter gegen den Wind nach Werbung riecht, landet sofort in Ablage P und hat keine Chance.

2) Ins Hoheitsgebiet der Redaktion eindringen

„Hallo guten Tag, ich möchte gern einen Artikel bei Ihnen platzieren…“ – argh…niemals diese Wörter in den Mund nehmen, es sei denn ihr ruft in der Anzeigenabteilung an. Die Artikel sind jedoch Hoheitsgebiet der Redaktionen und das gilt es zu beachten. Du kannst mit deiner Pressemitteilung spannende Ideen für ein redaktionelles Thema liefern und dem Redakteur Input geben. Wenn die Infos gut sind, du den Redakteur überzeugen konntest und dein Karmakonto gefüllt ist, bekommt dein Produkt auch eine Erwähnung oder du wirst verlinkt. Nie wird du es jedoch erreichen, dass du eine Pressemitteilung bei ihm platzieren kannst 😉

3) Erfrage alles bei den Redakteuren

Wenn du dir eine Kontaktdatenbank für deine Pressemitteilungen aufbaust, dann solltest du dabei direkt wichtige Infos wie Ansprechpartner, Email-Adresse, Telefonnummer und Infos zum Medium recherchieren. Du baust dir damit eine Datenbank auf, mit der du und auch deine Kollegen effektiv arbeiten können. Wenn du nun jedoch weitere Informationen zum Medium brauchst, dann ruf nicht bei der Redaktion an und löcher sie mit Fragen, deren Antworten du auch selbst im Internet oder gar auf deren Webseite findest. Wenn die Redakteure das Gefühl haben, du hältst sie nur von der Arbeit ab, hast du schon verloren bevor es überhaupt losging.

4) Immer schön nachhaken – per Email und Telefon

Nun hast du deine Pressemitteilung an 100 Redaktionen manuell versendet (das war wirklich viel Aufwand) und niemand hat sich zurückgemeldet? Keine Veröffentlichung? Mach jetzt nicht den Fehler und schicke einen Reminder hinterher und rufe 4 Tage später an, ob die Pressemitteilung angekommen ist oder der Redakteur dazu Fragen hat. Versetz dich einfach in die Situation des Redakteurs: Er bekommt täglich (!) tausende Pressemitteilungen, muss diese anhand der Headline selektieren, liest sich die ein oder andere durch, selektiert weiter und beginnt dann seine Recherche, sofern eines der Themen passend ist. Wenn es dann immer noch interessant ist, wird es in der Redaktionssitzung vorgetragen und wenn das Thema auch diese Sitzung überstanden hat, stehen die Chancen gut, dass es einen Artikel dazu gibt. Wenn es die Meldung aber nicht bis dahin geschafft hat, bringt auch das nachhaken nichts. „Ja, er hat die Pressemitteilung sicher erhalten. Und nein, er kann sich daran nicht erinnern, da er an diesem Tag 987 weitere uninteressante Meldungen erhalten hat“. In einem solchen Fall einfach mal mit etwas Abstand darüber nachdenken, ob das Thema wirklich spannend genug für ein Leserpublikum gewesen wäre und wenn ja, ob die Headline und der Teaser vielleicht nicht knackig genug waren.

5) Immer dieses Rumeiern

Redakteure stehen stets unter Druck, neue Storys bringen zu müssen und werden täglich von einer Flut an Pressemitteilungen überhäuft. Was gar nicht geht sind lange Pressemitteilungen, in denen du nicht zum Punkt kommst und langatmige Telefonate mit der Redaktion in denen du nur rumeierst und wieder nicht auf den Punkt kommst. Idealerweise hast du eine knackige Headline und eine kurze und spannende Zusammenfassung, die du der Pressemitteilung vorweg stellst. Auch in Telefonaten erklärst du kurz und bündig, um was es geht, was neu ist und warum es die Leser des Magazins interessieren sollte. Damit kommst du Redakteuren wirklich sehr entgegen.

6) Direkt die Pressemitteilung per Rundmail versenden

Man kann natürlich über news aktuell oder ähnliche Pressedienste eine Pressemitteilung an zehntausende Redaktionen versenden (damit hab ich auch gute Erfolge erzielen können), allerdings sollte man dabei etwas taktischer vorgehen. Überleg dir, was dein Wunschmedium ist, in dem du mit einer guten Story auch eine Chance auf Erwähnung hast. Wenn du schon einen Redaktionskontakt hast, dann biete ihn vorab eine Exklusivstory an. Mit Aussicht auf eine spannende Exklusivstory steigt die Chance auf Veröffentlichung stark – natürlich nur, wenn der Inhalt relevant ist. Danach kannst du die Story an weitere Redaktionen herantragen und am Schluss über einen Verteiler versenden.

7) Veraltete Inhalte liefern

Du willst nicht ernsthaft eine Pressemitteilung zu einem Thema versenden, dass schon eine Woche zurückliegt, oder? Du musst in dem Bereich wirklich immer einen aktuellen Bezug haben – das Ereignis sollte nicht länger als 3 Tage zurückliegen. Meiner Erfahrung nach ist sogar das nur im Einzelfall noch in Ordnung. Das Ereignis sollte eigentlich eher tagesaktuell sein. In dem Zusammenhang lohnt es sich, sich zum Thema „Echtzeitmarketing“ zu informieren. Das ist sehr spannend und hier lassen sich sehr gute Erfolge erzielen.

8) Versende viele Bilder und PDF Dateien im Anhang

Multimediale Inhalte im Anhang einer Email können einem schon gern mal graue Haare bescheren. Auf diese Idee kommen neben dir jedoch auch noch andere Nasen und dann wird der Email-Abruf bei über 1.000 Pressemitteilungen am Tag wirklich lästig. Also: Anhänge am besten komplett weglassen und dafür Links zu den entsprechenden Dokumenten integrieren. Das schont die Ressourcen und wie immer gilt es: Nimm dem Redakteur so viel Arbeit und Last ab, wie es geht!

9) Es ist Freitagabend – ach da muss ja noch die Pressemitteilung raus

Tja – sorry…zu spät! Versende niemals eine Pressemitteilung am Freitagabend oder Montagmorgen. Redakteure sind auch Menschen und sie wollen ins Wochenende bzw. sie starten am Montag mit einem vollen Postfach, weil einige Nasen am Wochenende ihre Pressemitteilungen geschrieben haben und unbedingt schon raussenden wollten. Wenn du sie Freitag kurz vor Feierabend versendest, wird dich der Redakteur für Rückfragen möglicherweise auch nicht mehr erreichen und am Montag ist die Meldung schon wieder kalter Kaffee. Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber für die meisten Meldungen sind Freitagabend und Montagmorgen Ausschlusskriterien. Sinnvoll ist es auch, den Redaktionsschluss zu kennen, damit man die Meldung nicht erst kurz davor oder sogar danach zusendet. Dann kann der Redakteur damit leider nichts mehr anfangen. Der Vormittag eignet sich übrigens immer sehr gut zum Versand einer Pressemitteilung, weil die Redakteure dann am Screenen der neuen Meldungen sind.

10) Pressemitteilungen im Massenversand als CC- oder BCC-Mailing versenden

Was ist damit gemeint? Du sollst die Pressemitteilungen mit einem ordentlichen Tool für den Massenversand versenden und nicht bei Outlook alle 100 Redakteure ins CC- oder BBC-Feld kopieren. Wenn sie im CC-Feld eingefügt werden, sieht jeder Redakteur, an wen das Mailing noch versendet wurde (Hallo Datenschutz) und es wirkt unprofessionell. Wenn du sie ins BCC-Feld setzt, landet das Mailing jedoch häufig im Spam-Ordner. Damit wäre die ganze Arbeit für die Katz. Deshalb lieber gleich ein ordentliches Tool benutzen.

11) Wir wollen in den Spiegel, Stern und Fokus

Klar, wer möchte das nicht gern? Aber hast du dich auch schonmal gefragt, ob dein Thema für den Massenmarkt wirklich so spannend ist, dass eben diese Medien eine Story daraus machen? Viel wahrscheinlicher ist, dass es eine Nische gibt, in der dein Thema super interessant ist. Wähle deshalb die Medien im Vorfeld schon gezielt aus und frag dich, wo du die Leute erreichst, die in deinem Inhalt wirklich einen Mehrwert sehen. Der Spiegel ist u.a. deshalb so beliebt, weil er Glaubwürdigkeit ausstrahlt und eben nicht aus der Pressemitteilung des Schraubenherstellers Müller & Meier KG, die eine neue Schraubenart erfunden haben, einen 2-seitigen Artikel basteln.

12) Kommasetzung ist Chefsache

Das Problem des Loslassens und Abgebens von Aufgaben kennen sicher viele junge Unternehmer: Am liebsten würde man alles selbst machen, dann wird es auch perfekt. Weit gefehlt! Warum stellt man denn einen Kommunikationsprofi ein, der genau für diesen Job zuständig ist? Als Chef möchte man gern mal etwas mehr auf die Pauke hauen, mehr trommeln und sich selbst bejubeln. Ganz ganz falscher Augenblick dafür! Lass deinen Kommunikationsprofi das mal machen, der hat die Stelle nicht umsonst bekommen, sondern wahrscheinlich weil er sich in dem Metier besser auskennt als du – niemand ist eben allwissend. Nebenbei sorgt ein ständiges Hineingrätschen und Verbessern für eine schlechtere Arbeitsmoral und weniger Kreativität.

 

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Über den Autor

Patrick

Ich bin der Gründer der Startup Akademie und seit 2004 im Online Marketing unterwegs. Seitdem hab ich über 300 Projekte mit aufgebaut und betreut. Meine Erfahrungen teile ich hier mit anderen Gründern und Marketern. Du brauchst ein Coaching im Online Marketing? Hier kannst du mich buchen!

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