Das ist die Zukunft der Nischenseiten

Zukunft der Nischenseiten

In den letzten 2 Jahren hat das Thema Nischenseiten extrem an Popularität gewonnen und viele Leute verdienen dadurch neben ihrem Job noch ein paar Mark Fuffzig dazu, oder betreiben gar hauptberuflich hunderte Nischenseiten. Parallel gibt es immer wieder Wettbewerbe in dem Bereich und natürlich kann man sich von diversen Marketern haufenweise E-Books, Videokurse und Anleitungen dazu zum einmaligen Sonderpreis kaufen und garantiert xxx Euro jeden Monat langfristig dazuverdienen…

Ich selbst hab um 2011/12 herum auch solche Seiten betrieben. Damals gab es noch recht wenig Konkurrenz – heute kann man aber von einem echten Hype sprechen und täglich sprießen viele neue solcher Nischenseiten aus dem Boden. Das bringt erhebliche Probleme mit sich, über die jeder Nischenseiten-Betreiber einmal nachdenken sollte.

Für diejenigen, die nicht im Bilde sind…

Bei den Nischenseiten geht es darum, eine kleine Nische zu finden, die gerade noch groß genug ist, um ein gewisses Umsatzpotenzial zu haben, aber nicht zu groß ist, weil die Anstrengungen, dort ein gutes und nachhaltiges Business zu schaffen, zu groß wären. Es geht dabei meist um Keywords, die ein Suchvolumen im vierstelligen Bereich haben. Monetarisiert werden die Seiten fast durchgängig mit Amazon-Produkten, wobei das natürlich nischenabhängig ist. Auch wenn du dich in dem Bereich nicht auskennst, bist du aber ganz sicher schon über eine dieser Seiten gestolpert, die in vielen Fällen schon anhand der Domain zu erkennen ist (www.produkt-test.de). Der Fokus von gut 90% der Seitenbetreiber in dem Bereich ist der Produktvergleich. Soweit so gut – an sich eine gute Sache, denn wer möchte nicht durch den Produktdschungel geführt werden und mit wenigen Klicks das für ihn beste Produkt finden?

Hier mal 3 Beispiele für wirklich schlechte Nischenseiten, damit ihr seht, was ich meine: rollcontainer-info.de, kaffeepadmaschine-vergleich.de und handgepaeck-koffer-online.de. Damit möchte ich niemanden anprangern – aus meiner Sicht sind etwa 80% der Nischenseiten auf diesem Niveau. Wenn man nach „Staubsauger Test“ googelt, wird ganz schnell klar, welche Ausmaße das Ganze bereits angenommen hat, denn da findet man in den Top10 fast ausschließlich solche Nischenseiten.

Das große Problem mit den Nischenseiten

Mit einer guten Nischenseite lassen sich aktuell in vielen Fällen zwischen 50 und 500 Euro monatlich verdienen – im Einzelfall kann das auch nochmal deutlich nach oben gehen. Was machen die Meisten, wenn ihre Nischenseite „fertig“ erstellt ist? Sie erstellen eine weitere Seite in einer anderen Nische. Sobald sie merken, dass es funktioniert und Geld verdient wird, wird das „Business“ skaliert. Es werden also Pläne erstellt, welche Seite wann projektiert wird, Texte werden an eine Textbörse ausgelagert, CMS-Installationen vereinfacht u.s.w. – alles mit dem Ziel, so viele Nischenseiten wie nur möglich zu erstellen. Der Gedanke ist meist der: Wenn ich mit einer Nischenseite 100 Euro monatlich verdiene, verdiene ich mit 100 Nischenseiten 10.000 Euro im Monat.

Das Problem entsteht meist nicht bei 1-2 Nischenseiten, sondern dann, wenn es sich um 20, 30 oder noch mehr Seiten handelt. Derart viele Seiten kann man einfach nicht mit einer hohen Qualität erstellen und pflegen. Ein Test verschiedener Gaming-Laptops sollte eben nicht einmal erstellt und dann als Evergreen-Content zur Verfügung gestellt werden, sondern idealerweise auf dem aktuellen Stand bleiben. Viele Betreiber wollen damit auch nur ein passives Einkommen generieren – passiv bleibt es allerdings nur, wenn man den Inhalt nicht aktualisiert.

Noch schlimmer als die Aktualität ist allerdings der Faktor Qualität zu werten: Ich selbst kenne einige Leute in der Branche und weiß, dass Viele früher oder später die Texte nicht mehr selbst schreiben, sondern über Textbörsen ordern. Selbst wenn ich von einem Wortpreis von rund 4 Cent ausgehe (es geht noch viiiiel günstiger), kann ich mit hoher Sicherheit sagen, dass die Texte reiner Internetmüll sind. Die Texter haben die Produkte weder gesehen, noch live getestet. Häufig werden die ersten 3 Google-Ergebnisse Quergelesen und daraus eine Beschreibung / Testbericht erstellt. Solltest du ein Nischenseiten-Betreiber sein, dann ließ deine Texte mal ganz kritisch durch und frag dich: Ist dieser Text wirklich wertvoll? Ist der Testbericht objektiv, aktuell und hilft er dem Nutzer wirklich, das für ihn beste Produkt zu finden? Wenn du nur eine Frage davon mit NEIN beantworten musst, gehört der Text schon zum Internetmüll.

Es gibt noch einen anderen Punkt, über den viele Nischenseiten-Betreiber heute noch nicht nachdenken: Die Abhängigkeit von Amazon. Amazon hat auch schon in der Vergangenheit ohne Kommentar Affiliate-Accounts geschlossen, könnte jederzeit das Partnerprogramm für „kleine“ Partner einstellen oder die Provision verändern – könnte, müssen sie aber nicht. Die Gefahr besteht jedoch immer und das gesamte Geschäftsmodell ist von Amazon abhängig. Seien wir ehrlich: Sobald Amazon den Nischenseitenbetreibern die Hölle heiß macht (Provisionen kürzt, Partnerprogramm einschränkt oder schließt), ist Schicht im Schacht. Bei keinem anderen Shop werden Nischenseiten diesen Umsatz erreichen.

Wo wir gerade bei Abhängigkeiten sind: Die Abhängigkeit von Google ist noch größer! Fast jeder Seitenbetreiber setzt zu 100% auf Google und bezieht den Traffic über die organische Suche. Das Problem erläutere im nächsten Abschnitt.

Und das wird passieren

Folgende 3 Dinge werden aus meiner Sicht unabdingbar und werden geschehen:

1) Wettbewerb
Schon jetzt merkt man sehr stark, dass der Wettbewerb in einigen Branchen zwischen den Nischenseiten größer wird. Ich denke dass in den kommenden 1-2 Jahren noch wahnsinnig viele Nischenseiten auf den Markt gespült werden. Ich lehne mich wahrscheinlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass 80% davon reiner Internetmüll ist und auch sein wird. Die Konsequenz: Das Gedrängel auf den vorderen Plätzen bei Google wird größer und der Wettbewerb schmutziger (negative SEO, DDOS…).

2) Abmahnungen
Viele Nischenseitenbetreiber schreiben konkret auf ihre Seite, dass die Produkte getestet wurden. Sollten sie es nicht tun, machen sie es unterschwellig durch den Domainnamen „…-test.de“. Damit verletzen sie das Wettbewerbsrecht und sind stark abmahngefährdet. Es muss nur eine Kanzlei dahinter kommen und die Massenabmahnungen gehen los. Meine Erfahrung lehrt mich: Es wird irgendwann losgehen 😉

3) Google
Wer heute immer noch auf günstige Inhalte setzt, wird damit nicht ewig durchkommen. Google Panda straft schon aktuell schlechte Inhalte ab, aber Google wird immer besser im Erkennen eben solcher Inhalte. Wenn ich von den 80% schlechten Nischenseiten ausgehe, wird es davon sicher irgendwann einen Großteil treffen, weil der Inhalt schlecht und nicht aktuell ist. Speziell die Usersignale (Klickrate, Absprungrate, Verweildauer, Social Signals) werden das unterstreichen und die Nischenseite dahin katapultieren, wo sie hingehört.

Die Google-Suche nach „Staubsauger Test“ zeigt auch, wie wenig glaubwürdige Quellen aktuell in den Top10 zu finden sind. Ich bezweifle stark, dass irgendeine der Nischenseiten die Staubsauger wirklich getestet hat. Aus anderen Bereichen ist schon bekannt, was Google macht, wenn ein bestimmter Seitentyp zu präsent ist: Es wird am Algorithmus geschraubt. In dem Fall gibt es eine einzige Schraube, die gedreht werden müsste und 95% der Nischenseiten fliegen aus den Top10 ins Nirvana: Trust-Signals stärker bewerten. Kaum eine Nischenseite kann gesunde Trust-Signals vorweisen. Dazu zählen zum Beispiel starke natürliche Links, Domainalter, Mentions oder Besucherströme inkl. Bouncerates.

Im März diesen Jahres gab es übrigens eine ganze Menge Nischenseiten-Betreiber, die Rankingverluste gemeldet haben. Das nur am Rande für diejenigen, die meinen, das wäre ein Hirngespinst 😉

Was ich damit sagen will

Nischenseiten wird es immer geben, wenn du ein Nischenseiten-Betreiber bist, solltest du dich nur fragen, ob du ein nachhaltiges Geschäft aufbauen willst, das auch noch in ein paar Jahren Bestand hat, oder ob du nur mal eben eine Zeit lang ein bisschen Geld verdienen möchtest. Aktuell kann man mit den schlimmsten SEO-Texten bei Google ranken und Geld verdienen, aber das ändert sich auch. Wenn du selbst im Bereich Nischenseiten aktiv bist, solltest du dich fragen, ob du das auch noch in einem Jahr sein möchtest.

So könnte es klappen

Wenn du auch langfristig mit deiner Nischenseite erfolgreich sein möchtest, solltest du vielleicht deine Denkweise ändern. Frag dich doch einmal, was ein Nutzer für eine Erwartungshaltung hat, wenn er nach dem Keyword sucht und auf deiner Webseite landet. Wird diese Erwartungshaltung erfüllt? Kommt er leicht an die Infos, oder springt er vielleicht wieder ab, weil er eine Textwüste vorfindet, die ihn erschlägt?

Meine Tipps, um fit für die Zukunft zu sein:

  • Ändere deine Sichtweise und denke aus Usersicht
  • Kaufe die Texte nicht ein, sondern belese dich, sei/werde ein Profi in dem Bereich und erstelle sie selbst (ganz wichtig)
  • Biete knackige Zusammenfassungen und übersichtliche Infos
  • Sei transparent und sag nicht, du hättest die Produkte getestet, wenn es nicht so ist
  • Veröffentliche das Aktualisierungsdatum bei Produkttests und prüfe die Produkte regelmäßig
  • Biete Hilfestellungen rund um das Thema (Dinge, die WIRKLICH helfen)
  • Kleister die Seite nicht mit Werbung zu
  • Beschäftigt euch mit der Frage, woher ihr weiteren sinnvollen Traffic außerhalb von Google erhalten könnt (z.B. Email, Gutefrage.net, Facebook, Pinterest…)
  • Überleg dir, wie du es schaffen kannst, dass der Nutzer wiederkommt

Was ist deine Meinung zu dem Thema? Ich freue mich auf spannende Diskussionen!

 

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Über den Autor

Patrick

Ich bin der Gründer der Startup Akademie und seit 2004 im Online Marketing unterwegs. Seitdem hab ich über 300 Projekte mit aufgebaut und betreut. Meine Erfahrungen teile ich hier mit anderen Gründern und Marketern. Du brauchst ein Coaching im Online Marketing? Hier kannst du mich buchen!

10 Kommentare

  • Sehr schöner Artikel. Bleibt zu hoffen das dem Müll schneller der Hahn abgedreht wird, als die 19-jährigen Marketer und Internetvisionäre ihre Videokurse verkaufen können.

    • Hahaha… Wie das schon wieder ein reiner Neid Kommentar ist mit null komma nix Mehrwert hinter. Manchmal Frage ich mich ob es sich bei solchen Kommentaren tatsächlich um erwachsene Wesen handelt.

  • Hallo Patrick,
    ein schöner Artikel. Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass Google sich etwas einfallen lässt. Nach den bisherigen Updates folgten meist sehr lehrreiche Situationen, die sich zu Gunsten der Leser ausgewirkt haben. Sollten Verweildauer und Absprungrate noch stärker seitens Google bewertet werden, finden wir mit Sicherheit bald einige hochwertige Underdogs auf der ersten Seite. Die Zukunft wird es Zeigen. „Wer aufhört zu Optimieren, wird verlieren.“ Ps: Ich schaue gerne öfter hier vorbei. 🙂

  • Hey.

    Du sprichst mir aus der Seele. Die meisten Seiten sind so dermaßen schlecht, alleine schon textuell – da frage ich mich tlw., wer da überhaupt einkauft.

    Quality is King.

    Gruß

  • Sollten Verweildauer und Absprungrate noch stärker seitens Google bewertet werden,

    Wird nicht passieren könnte man extrem leicht manipulieren.

    • Du meinst durch Bots? Bedenke, dass die Google Chrome Daten dazu herangezogen werden. Ich bin kein Techniker, aber ich denke es wird sehr sehr schwer das zu manipulieren. Das geht ja über übliche Proxys weit hinaus…wenn du da eine Lösung hast, dann probier es am besten aus und schau dir die Entwicklung auf einem Testprojekt an. Wäre in jedem Fall spannend.

  • Nun, ich denke nicht das es Nischenseiten in der näheren Zukunft an den Kragen gehen wird. Es ist schon ein Umschwung zu sehen. Immer mehr Nischenseiten Betreiber haben nun bessere URL´s wie Z.B Staubsauger King oder ähnlich. Auf den Seiten befinden sich immer mehr Ratgeber statt Testberichte, alles ein wandel zum guten. Nischen werden mit der Zeit gehen, und in meinen Augen qualitativ besser werden. Sie werden in Zukunft Mehrwert und Informationen bieten.

    • Letztendlich hat niemand eine Glaskugel und meine Aussagen beziehen sich auf Erfahrungswerte aus der Vergangenheit. Es gibt viele Risikofaktoren und selbst wenn kein Umbruch eintreten wird, sollte sich jeder mit der Frage auseinander setzen, ob man nicht ein Vorreiter in Sachen Qualität sein möchte, oder einfach das ausnutzt, was aktuell noch funktioniert. Ich für meinen Teil möchte lieber ein nachhaltiges Business aufbauen.

  • Ich bin der Meinung, dass Backlinks gar nicht mehr als Grundlage zur Bewertung einer Seite herangezogen werden sollten. Denn wir wissen alle, dass Betreiber einer Webseite, die von der Anzahl der Besucher abhängig sind, eigenhändig Backlinks setzen oder gar schlimmes im Schilde führen. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass alle Betreiber einer erfolgsorientierten Webseite eigenhändig Backlinks setzen. So wie ich es auch hier tue. Das Google überhaupt noch Wert auf Backlinks legt, ärgert mich persönlich sehr. Denn eigentlich will ich so nicht arbeiten. Werde aber durch die Vorgaben zu solch einem Verhalten gezwungen.

    Zudem lassen sich Backlinks einfach viel zu leicht von Mitbewerbern manipulieren. Jeder kann schlechte Backlinks setzen, die von Google als Spam bewertet werden und so die Konkurrenz schwächen oder sogar ausschalten.

    Amazon ist in der Tat ein sehr großer Risikofaktor. Denn dort lässt sich am meisten, schnellsten und am einfachsten Geld verdienen. Kaum ein anderes Unternehmen ist so bekannt und genießt so viel Vertrauen. Auch der Service wird immer besser. Allein der Umgang mit den Mitarbeitern lässt zu wünschen übrig.

    Von heute auf morgen könnte dieses Unternehmen aber die Provision um 5 Prozent senken. Wer hier tausende verdient, könnte wirtschaftlich an den Rand des Ruins getrieben werden. Ganz nach dem Motto, wer hoch steigt, fällt tief.

    Auch ich betreibe Nischenseiten. Manchmal mehr schlecht als recht. Das ich in letzter Zeit immer wieder ähnliche Artikel lese, macht mich zunehmend nachdenklich und lässt mich immer öfter von meinem hohen Ross herunter kommen.

    Ganz sicher ist, dass es immer Veränderungen geben wird. Fragt sich nur, in welche Richtung diese gehen und wie stark diese Veränderungen sind.

  • Sehr hilfreicher Beitrag, um Inspiration für neue, qualitativ hochwertige Nischenseiten zu bekommen. Vor allem jetzt, wo so viele Test-Seiten, die keine Tests durchführen, abgemahnt werden. Klasse Beitrag – vielen Dank!

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